jzh. «Ein Auto», so liess unlängst der
Zentralpräsident des «Touring Club Schweiz» verlauten, «kostet viel
Geld. Deshalb fährt niemand zum Spass in der Gegend herum.»
Mitnichten. «Offroad-, sprich Geländefahren, macht Spass. Es ist
abenteuerlich, trickreich und spannend. Es erfordert Gespür,
Konzentration und zum Teil auch eine Portion Mut. Wer Offroad fährt,
tut dies, weil er den Plausch daran hat. Weil es interessant ist,
herauszufinden, was so ein Auto alles leisten kann», wurde
informiert.
Und damit die Liebhaber der geländegängigen
Kraftfahrzeuge «nicht planlos in der Natur herumfahren, können sie
sich hier in der Kiesgrube austoben», erklärt der Präsident des
«Landrover-Club Edelweiss», Gilbert Knuchel aus Siselen. Wobei von
Toben nicht im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann, denn die
4x4-getriebenen und bis zu 185 PS starken Fahrzeuge suchen sich zwar
kraftvoll, doch eher gemächlich ihren Weg durch das anspruchsvolle
Terrain aus Sand und Kies. Was gelegentlich tobt sind die Motoren,
etwa dann, wenn es gilt, einen unüberwindbar steil scheinenden Wall
aus Erde und Lockergestein zu bezwingen. Ansonsten ist das Treiben
in der da und dort etwas zurechtgemachten Kiesgrube von
Beharrlichkeit geprägt.
Obschon sich am Vormittag während des
freien Geländefahrens um die zwanzig Wagen gleichzeitig kreuz und
quer, berg- ab, bergan und über Buckelpisten tummeln, ist weder
Hektik noch Gereiztheit auszumachen.
Die Herausforderungen, die das
Areal für die Offroad-Piloten bereithält, werden aufmerksam und
gelassen angegangen. Sitzt mal einer auf einem Sandhaufen fest oder
versenkt sein treues Gefährt Kühler voran bis zur Hälfte in ein
schlammiges Wasserloch, steht hilfsbereit, wer gerade am nächsten
ist, mit einem Abschleppseil gerüstet zur Stelle. Man begegnet sich
freundschaftlich und kollegial. Die Fahrer wollen als Sportler
verstanden werden.
Zusammen mit Frédy Friedli aus Péry
organisiert Gilbert Knuchel das Offroad-Treffen in der Kiesgrube
zwischen Finsterhennen und Treiten bereits zum sechsten Mal. Seit
dem ersten «Swiss National» mit gut 40 Anmeldungen kamen jedes Jahr
mehr hinzu. Heuer verzeichnen die Organisatoren je 200 gemeldete
Fahrzeuge pro Veranstaltungstag. Fahrzeuge, die je nach Modell und
Beanspruchung gut und gerne zwischen 12 und 18 Liter Treibstoff
verbrauchen, werden angefahren aus den verschiedensten Kantonen der
Schweiz, aber in nicht geringer Zahl auch aus dem benachbarten
Ausland und den Benelux-Ländern. Tausende von Kilometern, die
zurückgelegt werden, um sich wie hier oder anderswo, vorzugsweise in
Frankreich, in einer Kiesgrube den Nervenkitzel zu holen.
Ob er denn, in Erinnerung an den Rekord-Sommer
mit seinen anhaltend überhöhten Ozonwerten, noch nie ein schlechtes
Gewissen gegenüber der Umwelt und den Mitmenschen verspürt habe?
«Sollte ich das?», fragt Gilbert Knuchel, durchaus nachdenklich,
zurück. Letztlich bleibt die Frage offen, inwiefern es einen Sinn
macht, «wenn die kleine Schweiz» in dieser Hinsicht ei- ne
Vorbildfunktion übernehmen wolle. Vom Wirkungspotential her «sollten
das eigentlich die Amerikaner tun», meint der Präsident des
«Landrover Club Edelweiss».